Zu spät kommen als therapeutische Maßnahme

Donnerstag. Einzelpsychotherapie.

Ich hatte heute ein recht gutes Gespräch. Wir haben ein bisschen am Thema „genau und gewissenhaft“ fortgesetzt (in diesem Blog Artikel bin ich schon darauf eingegangen, warum ich das eigentlich gar nicht sein will).

Vielleicht ist es eine Schutzfunktion aus Angst vor Fehlern und Zurücksetzung. Ich sage ihr, daß ich nicht möchte, daß Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit das sein soll, was eines Tages auf meinem Grabstein stehen soll. Sie fragt mich, was ich statt dessen gerne hätte.

Was soll eines Tages auf meinem Grabstein stehen?

Jetzt ist das Leben natürlich kein Wunschkonzert. Aber es wäre schön, wenn ich mit Dingen wie Hilfsbereitschaft, Liebe, soziales Engagement, zuhören können, Neugierde in Erinnerung bleiben kann – und nicht „Hier liegt ein genauer und gewissenhafter Mensch“.

(Exkurs: Wenn ich so darüber nachdenke – so ein Spruch wie „#toboldlygo oder „at last the Enterprise beamed him up“ wäre schon eine Message. Ein paar Ideen, über die ich – bei allem Respekt – lachen musste, finden sich auf dieser Seite von Radio Hamburg. Meine Favoriten „Hier könnte Ihre Werbung stehen“ und „Schau nicht so blöd – ich wär jetzt auch lieber am Strand“).

Absichtlich zu spät kommen?

Ich erzähle ihr auch, daß ich oft grüble und mir Sorgen mache. Manchmal habe ich das Gefühl, ich muß mir Sorgen machen, sonst passiert etwas Schlimmes oder der Tag wird nicht gut. Sie versucht mir zu vermitteln, daß nicht unbedingt etwas Schlimmes passieren muss, wenn man mal nicht so genau ist. Und daß man oft nur wenig selbst beeinflussen kann, ob der Tag gut oder schlecht wird. Man überschätzt den eigenen Einfluss oft.

Sie schlägt mir vor, einmal absichtlich zu spät in die Morgenrunde zu kommen, ein paar Minuten. Einfach mal was Unorthodoxes tun. Hmm. Fällt mir schwer. Aber ich werde es versuchen!

Am Ende bittet Sie mich noch, die Gedanken, die ich gleich in der Früh (parallel zum Einsetzen des Angstgefühles) nach dem Aufwachen habe, wenn möglich niederzuschreiben. Wir wollen in der nächsten Stunde darüber reden.

Ich verlasse die Stunde mit einem guten Gefühl, ich habe mich in dem Gespräch ganz gut gefühlt. Wie ich das mit dem Zu-spät-kommen realisiere – abwarten!

 

Ein Gedanke zu „Zu spät kommen als therapeutische Maßnahme“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: