Wolfgang´s Weg

05 April, 2011

Blind laufen

Filed under: Laufen — Wolfgang @ 21:44
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Heute wurde ich zweimal mit dem Thema „Blind laufen“ konfrontiert.

Zum einen war ich heute selber blind. Blind für die Schönheit des Laufens und der Natur. In der Firma war heute ein sehr anstrengender und mühsamer Tag. Ich habe den heutigen Lauf in der Hauptallee ziemlich grantig (auf gut wienerisch könnte man auch „angspeist“ sagen) begonnen, mit mir und dem Schicksal hadernd. Verstärkt hat sich das Ganze dadurch, daß ich von vielen überholt wurde – was mir eigentlich völlig egal sein kann, heute meinen Grant aber nur verstärkt hat.
Erst nach 4 Kilometern, bei der Wende am Lusthaus, hat sich schön langsam Beruhigung und die Lust am Laufen eingestellt. Dem Grund  meines Grants und des Haderns habe ich ein politisch unkorrektes, aber dafür sehr herzliches „Sch…. drauf!“  entgegengerufen. Dann ging´s leichter, und die folgenden 3 Km waren ein doch noch schöner Abschluß des Laufes.

Zum anderen waren heute in der Hauptallee auffallen viele blinde Läufer mit ihren Guides unterwegs. Manche sind gegangen, manche langsam gelaufen, und ein paar hatten ein beeindruckendes Tempo drauf, viel schneller, als ich laufen könnte. Entweder an der Hand des Guides, oder durch eine Schnur mit ihm verbunden.

Ich muss gestehen, ich bewundere diese Läufer, und habe grossen Respekt vor ihrer Leistung. Ich habe heute probeweise versucht, beim Laufen die Augen zu schliessen (natürlich vorher vergwissert, daß sich niemand vor/hinter/neben mir befindet). Nach ein paar Schritten gingen die Augen immer automatisch auf, der Drang, sich ständig zu orientieren, war einfach zu stark. Lasse ich die Augen zu lange zu, kommt auch langsam Angst hinzu…

Aber auch die Guides verdienen Respekt. Man trägt doch Verantwortung und steht in einem sehr engen Vertrauensverhältnis mit dem Läufer.

Habt Ihr in Eurem Bekanntenkreis einen blinden Läufer oder einen Guide? Haben sie Euch von ihren Erfahrungen berichtet?

Übrigens: Der schnellste blinde Läufer läuft dem Vernehmen nach eine Halbmarathonzeit von 1:10! Da wird es schon schwierig, einen geeigneten sehenden Begleiter zu finden, der das Tempo mithalten kann!

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7 Kommentare »

  1. Für den ersten Teil deiner Geschichte empfehle ich das (lesenswerte) Buch „Fuck it!“ von John C. Parkin. Wobei ich noch ergänzen muss, dass grantig, granteln auch ein (sehr) wienerischer Ausdruck ist (http://www.ostarrichi.org/wort-19-at-grantig.html) und von vielen auch herzhaft gelebt wird 😉
    Zum zweiten Teil gebe ich dir recht. Diesen Menschen, die entweder blind sind, oder mit anderen Behinderungen leben müssen und trotzdem mit großer Begeisterung am Leben teilnehmen, denen gehört meine Bewunderung. Man muß nur einmal überlegen, mit welchen (scheinbaren) Sorgen wir oftmals beschäftigt sind, um dann eben ordentlich granteln zu können.
    Wünsch dir einen schönen Tag – Reinhard

    Kommentar von SilberLäufer — 06 April, 2011 @ 06:10

  2. Danke für den Buchtip, ich werde beim nächsten Besuch meiner Stamm-Buchhandlung mal reinschnuppern!
    Das Granteln gehört – bis zu einem gewissen Grad – zu jedem Wiener dazu :-).
    Zu Deinen letzten Worten: Du hast völlig recht! Leider ist es mir manchmal zuwenig bewusst. Aber das Laufen hilft mir auch, manches wieder in die ihm gebührende Relation bzw (Un)Wichtigkeit zu setzen.
    Liebe Grüsse,
    Wolfgang

    Kommentar von Wolfgang — 06 April, 2011 @ 20:37

  3. Einen bekannten blinden Läufer habe ich nicht, aber es gibt auch Ultra-Läufer unter ihnen, die wie wir in Begleitung genauso viel und mehr laufen als wir Sehende, sehr beeindruckend, aber es ist scheinbar nicht sehr einfach, sehende Begleitpersonen zu finden, wie ich aus einem Interview mit einer blinden Ultra-Läuferin entnehmen konnte.

    Gut dass du es einmal ausprobiert hast, ich würde mich eher nur kurz trauen, bin schon zu oft gestürzt !

    Kommentar von ultraistgut — 07 April, 2011 @ 12:05

  4. @ultra:
    Also, das steigt mein Respekt noch höher….bei einem Ultralauf läuft man ja auch nicht nur einfach geradeaus, was ja für einen blinden Läufer noch schwieriger sein muss!

    Kommentar von Wolfgang — 07 April, 2011 @ 21:42

  5. Hi Wolfgang,

    davor zieh ich auch echt den Hut! Da gehört schon was dazu!
    Ich habe auch mal um meine Koordination zu testen längere Strecken versucht mit geschlossenen Augen zu joggen – und es ist erstaunlich wie weit man vom „Kurs“ abkommt.
    Einfach nur geradeaus laufen wird da schon ganzschön schwer, also für mich zumindest…

    Gruß Rolf

    Kommentar von Rolf — 16 Mai, 2011 @ 16:08

  6. @Rolf
    ja, erst gestern bin ich wieder einigen blinden Läufern begegnet, darunter auch Kinder. Bewundernswert!

    P.S: Schön, dass Du Dich auf meine Seite verirrt hast 🙂
    Lg Wolfgang

    Kommentar von Wolfgang — 18 Mai, 2011 @ 20:44

  7. […] wieder auf blinde oder sehschwache Läufer, die von eine, Guide begleitet werden…ich habe hier schon mal darüber geschrieben, wieviel Respekt ich vor diesen Läufern und Ihren Begleitern […]

    Pingback von Blindes Vertrauen | Wolfgang´s Weg — 26 Juli, 2013 @ 23:42


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